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15.05.2011, 22:00 Uhr | Übersicht | Drucken
Energiekommissar Günther Oettinger zu Gast beim „Fanclub“ in Sulz
Die große europäische Herausforderung bestehen!

Der CDU-Stadtverband Sulz und Günther Oettinger – das war schon jeher, oder zumindest schon seit etwa 15 Jahren ein besonderes, ein freundschaftliches Verhältnis. Angefangen hat es, als der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende zu einer Veranstaltung im Gasthaus "Linde"

in Bergfelden zu Gast war. Dazwischen lagen etliche Begegnungen, so bei der Weinwanderung, als der frisch gebackene Ministerpräsident dazu kam, dann die Besuche beim politischen Aschermittwoch in Fellbach. Bis hin zum Versprechen, im "nächsten Jahr" jedem CDU-ler ein Viertele Rotwein zu kredenzen. Ein Versprechen, das der dann kurz zuvor zum EU-Kommissar beförderte Günther Oettinger auch prompt einhielt.

"Was Herr Oettinger verspricht, das hält er auch", konnte der Sulzer CDU-Vorsitzende dann auch feststellen: Beim zweiten Teil der 40-Jahrfeier im Hotel "Züfle" in Glatt.

Der europäische Kommissar für Energie zu Gast bei der CDU Sulz! Kein alltägliches Erlebnis!



Sulz-Glatt -

Da störte das bisschen Warten auf Günther Oettinger und Friederike Beyer ganz und gar nicht an jenem Sonntagabend im Hotel. Der herzliche Beifall zeigte, dass sich die Gäste auf ein besonderes Ereignis freuten und dass sie einen guten Freund, der in Brüssel eines der ganz wichtigen Ämter bekleidet, begrüßen konnten.

"Die Tatsache, dass wir immer wieder sehr interessante Politiker treffen, ist auch eine gute Motivation für unsere Mitglieder", stellte Herwart Kopp richtigerweise fest.

Ein halbes Jahr zuvor schon hatte er mit dem Büro Oettinger den Termin vereinbart, und: "Damals konnte noch niemand davon ausgehen, dass unser Thema ‚Wirtschaft, Währung, Energie’ gerade jetzt so aktuell sein würde."

G 2 oder G 3?

Sichtlich wohl fühlte sich Günther Oettinger bei der CDU Sulz, der so "treuen Fangemeinde".

(Was so blieb, selbst als in manchen Zeiten in der veröffentlichten Meinung mehr attackiert als gelobt und gefeiert wurde.)

Und er legte gleich los, in einer Rede, in der er sehr kompakt, sehr anschaulich, auf hohem Niveau all jenes abhandelt, was so sehr im Fokus steht. "Europa ist in der Krise", stellte er unumwunden fest, aber auch: "Die Krise sind wir." Und die Frage ist, wer in Zukunft die Vorzeichen der Welt bestimmt. Das 20. Jahrhundert war das amerikanische, von 1910 bis 2000, und die nächsten zehn Jahr: Werden sie asiatisch / chinesisch geprägt sein? Oder eben doch nicht? China sieht sich als das Reich der Mitte. Mit dem Bild von den Pendelschlägen verdeutlichte er: das Pendel kann ausschlagen, stehen bleiben, zurückpendeln. Wo bleibt es stehen? Günther Oettinger: "Es geht nicht um G 20 oder ähnliches. Es geht um G 2, das ist Amerika oder China, oder es könnte mit G 3 auch Europa sein, mit seiner Bevölkerungszahl von 500 Millionen Menschen.

Falls wir nicht mit vorne dabei sind in den nächsten Jahren, dann sind es in 15 Jahren Indien und andere Länder, die das Sagen haben. Deswegen: Jetzt sind wir an einer historischen Weggabelung. Bestimmen wir mit oder sind wir der Wurmfortsatz?

Wir sind in der Krise. Fast schwindelig konnte es den Besuchern im schmucken Hotel "Züfle" werden bei den Zahlen, die der Kommissar aus Brüssel, der sich so gar nicht verändert hat gegenüber den alten, vertrauten Zeiten, nannte. Bei 10 000 Milliarden Euro Bruttoinlandsprodukt entstehen 800 Milliarden Euro neue Schulden. Mit unendlich erscheinenden Zinszahlungen. "Wir müssen aus der Schuldenfalle raus."

Es ist fünf vor zwölf

Ein Thema, das später in der Diskussion von Hugo Bronner nochmals mittels einer Frage aufgenommen wurde: der ehemalige Banker – er kann noch mehr als andere ermessen, was die Verschuldung wirklich bedeutet und nach sich zieht.

"Es ist fünf vor zwölf", sagte Günther Oettinger: "In der Krise ist nicht der Euro, in der Krise sind die Haushalte der öffentlichen Hand."

Zu viele Schulden, zu wenige Kinder: Die Haushalte stehen nicht auf einem stabilen Fundament. In Griechenland, dort sehr, aber auch bei uns.

So brauchen wir Wachstum und Wettbewerb, müssen im Wettbewerb auf der Welt bestehen. Wobei Deutschland als das Industriecluster der Welt "noch nie stark war wie heute", Produkte herstellt, die die Welt braucht und außerdem Dienstleistungen anbietet.

Die Engländer dagegen "haben die Industrie abgeschafft."

Was bleibt für die Krisenländer? "Griechenland und Portugal müssen wettbewerbsfähig werden."

Der Übergang zur Energie: "Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern kennen wir keinen Stromausfall." Dabei seien wir einem blackout schon näher gewesen als wir glauben.

Alle reden vom Abschalten der Kernkraftwerke. Doch "Strom kann man nicht speichern." Die einzige Möglichkeit: Pumpspeicherung.

Wir alle haben noch die Diskussion aus dem Wahlkampf auf die unangenehme Weise im Ohr… (Pumpspeicherkraftwerk: auch nein danke.)

Die Photovoltaik: 800 Stunden im Jahr scheint bei uns die Sonne, doch das Jahr hat 8 700 Stunden. Fehlen einige Stunden! In Spanien sind es doch wenigstens 2 000 Sonnenstunden!

Probleme bereiten auch die Windparks, wie Günther Oettinger nachdrücklich belegte.

Dabei geht es um historische Dimensionen, doch: "St. Florian ist allmächtig."

Wie nun die "große europäische Herausforderung" bestehen? Der Blick über das Mittelmeer, in unsere Nachbarländer Libyen, Tunesien, Ägypten, Algerien, Marokko (am Tag nach nach der Veranstaltung war Günther Oettinger in Rabat!) zeigt eine Option.

Wenn er aus voller Überzeugung feststellte, dass der Mensch eine Perspektive braucht, dann zeigte sein Vortrag: der Energiekommissar hat die Vision, hat den Plan, wie das Gesamtkonzept auszusehen hat, wie die afrikanisch-europäische Partnerschaft uns der Lösung näher bringen kann.

"Die Zahl der Europäer, auch in der CDU, ist schon mal größer gewesen", so der 56-Jährige (und manch einer dachte in dem Moment vermutlich an Helmut Kohl), und gerade deswegen wünscht er Angela Merkel ein starkes Rückgrat, im europäischen Sinne zu handeln.

Denn auch das ist wahr: Europa ist bei aller Problematik die Friedensunion. Europa ist die Garantie für Frieden in unserem Kontinent.

Wenn zwei Vorträge die gleichen Aussagen beinhalten

"Sie sahen, wie gebannt wir alle Ihnen zugehört haben", gratulierte Herwart Kopp nach dem kräftigen Beifall aller Anwesenden dem Ehrengast. In der Tat: manches weiß man, spürt man, doch kaum einmal bekommt der Normalverbraucher die Situation um Europa, um die Energie so im Zusammenhang und einleuchtend vermittelt, wie dies an dem Abend der Fall war.

Nett übrigens, mehr als nett, dass Prof. Harald Kopp vier Tage zuvor im Backsteingebäude einen Vortrag über China gehalten hatte. Und wenn der Bürgermeister sich in seinem Grußwort darüber wunderte, dass die beiden Vorträge inhaltlich übereinstimmten, und der Sohn des Sulzer CDU-Vorsitzenden vor sich murmelte, dies hänge mit dem gleichen Parteibuch zusammen, dann ist das nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist: Beide sind eben gut, ganz einfach gut.

Was fiel bei der Fragerunde auf? Jeder Frager, jede Fragerin stellte eine Frage, kurz und präzise, kein Koreferat, nichts, einfach Fragen und dazu noch treffende.

"Es ist ein Glücksumstand, dass wir Sie, sehr geehrter Herr Oettinger in Brüssel haben." Sagte Lothar Reinhardt als stellvertretender Kreisvorsitzender in seinem Grußwort, das zum passenden Schlusswort wurde, und der dem CDU-Stadtverband herzlich zum Jubiläum gratulierte.

Und auf dem Nachhauseweg sind ganz sicher viele Gedanken nochmals durch die Köpfe der Anwesenden gegangen, auch dass in China derzeit jede Woche ein neues Kohlekraftwerk ans Netz geht und alle vier Wochen ein neues Kernkraftwerk. Und dass, wenn wir aussteigen und einsteigen wollen, Tempo machen müssen beim Aufbau neuer Netze. Dass die Gesetzgebungsverfahren beschleunigt werden. Denn wir wollen doch wohl mithalten im internationalen Wettbewerb.

Dazu aber ist jede Anstrengung notwendig.

Hier ganz drastisch die Augen dafür geöffnet zu haben, ist auch ein Verdienst der CDU Sulz, die mit dieser Veranstaltung einmal mehr einen Volltreffer gelandet hat.



aktualisiert von Robert Topoll, 23.05.2011, 14:28 Uhr


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